Stefan Hildebrand


Der Klavierstimmer Ihres Vertrauens
 

SO FÄNGT ALLES AN

Die ersten Töne

Ein Klavier oder auch Flügel wird während der Fertigung mehrmals gestimmt. Es dauert seine Zeit, bis das Instrument die Gesamtspannung der weit über 200 Saiten von etwa 15.000 kg verkraftet. Die ersten Stimmungen nennt man Zwicken. Dabei  werden die Saiten mit beispielsweise einem Gitarrenplättchen angezwickt und gespannt. Man benutzt nicht die Klaviertasten und -mechanik dazu. Diese befinden sich zu diesem Zeitpunkt meist noch nicht im Instrument verbaut. Ist das Musikinstrument komplett, erfolgen noch mehrere Stimmungen und Intonationen bis zur Auslieferung. Eine Klaviersaite ist ein besonders veredelter Stahldraht. Im Bass ist dieser zum Erreichen der tiefen Töne noch mit Kupferdraht umsponnen. Die Saite wird mittels einer Öse über einen Anhängestift am unteren Ende (beim Flügel hinteren Ende) mit der Gußplatte verbunden. Die Klaviersaite wird über den Klangsteg, welcher fest auf dem Resonanzboden aufgebracht ist, geführt und durch eine Bohrung in den unten runden oben vierkantigen Stimmwirbel gefädelt. Mit einem Stimmhammer wird dieser 3-4 Dehungen in den Stimmstock aus solidem Buchensperrholz eingedreht. Die sich deshalb ergebenen Seitenringe verdichtet man. Nach oben kann die Saite nunmehr auch nicht wegrutschen, da sie sich selbst durch das Einfädeln in die Wirbelbohrung blockiert. Befinden sich sämtliche Saiten im Instrument und alle Saitenringe sind verdichtet, werden die Wirbel mittels Hammer und einem Aufsatzeisen auf die vorgegebene Höhe abschließend in den Stimmstock eingeschlagen. Der Wirbel hat kein Gewinde, er hält ausschließlich durch Haftreibung im Holz. Nun beginnt das Zwicken und die ersten Töne erklingen. 

Das Klavierstimmen nach Gehör

Das Musikinstrument wird auf den Kammerton a' eingestimmt. Die meisten Orchester wünschen diesen heute meist bei einer Frequenz von 443 Hz. Eine Stimmgabel kann dabei helfen, um das Klavier oder den Flügel nach Gehör zu stimmen. Das nächsthöhere -a- weist die doppelte Frequenz auf, das nächsttiefere demzufolge die halbe. Eine Oktave ist in 12 hörpsychologisch gleichgroße Maße unterteilt. Die Stimmung wird heute meist ausgewogen, wohltemperiert verlangt. 

Vom -a'- ausgehend stimme ich zunächst eine Oktave in der Mitte nach links, dann herunter zum Bass, danach ab der Ausgangsoktave nach rechts zum Diskant. Diese Vorgehensweise erfolgt auf Grund der kreuzsaitigen Verspannung der Saiten um die höheren Spannungen durch das Stimmen gleichmäßiger zu verteilen. Abgesehen vom Bass hat jeder Ton 3 Saiten. Beim Stimmen werden zunächst 2 davon mit einem Stimmkeil aus Gummi, Filz, Holz oder Plastik abgedämpft. Der Aufsatz des Stimmhammers hat eine Sternform und passt genau auf den vierkantigen Wirbel. Drehen des Stimmhammers im Uhrzeigersinn bewirkt ein Spannen der Saite, der Ton wird höher. Drehung nach links bewirkt folglich das Gegenteil. Stimmt eine Saite, gebe ich die zweite frei und übereinstimme diese mit der ersten. Das Selbe geschieht mit der dritten Saite des Tones. Beginnend  vom -a'- in Richtung -a- stimme ich so jeden Ton. Wie er klingen muss sagt mir mein exzellentes Gehör. Gern stimme ich mittels des sogenannten kleinen Quintenzirkels die Ausgangsoktave. Nach dem Stimmen vom -a'- stimme ich das eine Oktave tiefere -a-. Ausgehend von diesen beiden Tönen mittels Quinten und Quarten (5 bzw 4 Tonschritte) stimme ich jeden Ton dieser Oktave. Die nächsten zu stimmenden Töne wären demnach -e'- und -d'-. Anschließend vom -e'- die Quarte zum -h-, dann die Quinte zum -fis'-, dann die Quarte zum -cis'- usw. Mögliche Fehlerquellen kann ich mit Überprüfen durch Terzen und Sexten ausschließen. Beim fortschreitenden Stimmen auf- oder abwärts bietet sich mir zum Prüfen bald die Dezime an. Die Quinte stimme ich übrigens stets eine Nuance unterschwebend, also enger als es der Name sagt. Ein anderes Mittel zum Zweck kann auch der große Quintenzirkel sein. Ausgehend vom -a'- wird dabei zunächst nur mittels Quinten und Oktaven gestimmt. Bis ich hierbei jeden Ton einmal gestimmt habe, benötige ich jedoch 1 1/2 Oktaven oder 19 Töne. Geschmacksache jeden Stimmers.

Für ein gutes Klangergebnis werden alle Oktaven einen Hauch weiter auseinander gestimmt. Sie klingen dennoch rein. Beim Stimmen benötige ich einen festen Anschlag, damit sich die Saite fest an den Klangsteg und Stimmwirbel schmiegt. Andernfalls würde der Pianist bereits mit einem Mezzoforte-Anschlag schon langsam die Stimmung zerstören.

Die Intonation

Als Klavierstimmer muss ich dann und wann auch intonieren. Von Ton 1 bis 88 soll die Klanghärte von matt bis hin zu scharf brillant ansteigen. Durch Abnutzungen der Hämmer ändert sich dieses. Mit einer "Intoniernadel" steche ich mit Fingerspitzengefühl strahlenförmig um den Hammerscheitel  (nicht in diesen), um die Struktur des Hammerkopffilzes zu unterbrechen bis das gewünschte Klangergebnis erreicht ist. Der Scheitel ist der Treffpunkt des Hammers auf die Saite. Oft ist ein vorheriges Ab- und Informschleifen der Hammerköpfe nötig.


Ich bin im gesamten Rhein-Main-Gebiet, den Rheingau-Taunus-Kreis und Rheinhessen tätig.

 
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